Von Schweinen und anderen Vorbildern
zurück zur ÜbersichtWas gibt es lieberes als ein kleines Ferkel? Genau, ein kleines Ferkel, das spricht! Was uns bei dem Schweinchen namens Babe so gut gefiel, griff die Bio-Produktlinie eines Supermarkts als Werbeidee auf. Ich kann mir richtig vorstellen, wie ein paar so genannte Marketing-Hansln beisammen stehen und sich die koksverklebte Nase à la Wickie reiben: „Ich sag’s Dir, Marco, ein sprechendes Schwein, das ist die Idee. Das mögen Kinder, weil’s so herzig schaut, die Älteren, weil’s an Sommer am Land in der guten alten Zeit erinnert und ein paar denken vielleicht an das herzhafte Schweinekotelett, mmhhhhmm – wann gemma eigentlich endlich in den Gastgarten des neuen Lokals im Museumsquartier? Du weißt schon, Ooohm heißts, wo sie pakistanisches Curry mit andalusischen Urtomaten machen!“ Aber nein, Marie, halt an dich, diese Klischees gibt’s doch gar nicht. Nur in den Träumen eines hitzegeplagten TV-Werbungsjunkies. Das sagt mir der Hausverstand.
Bitte Nachsicht walten lassen, der war aufgelegt, ich weiß. Während ich das Schweindl nämlich immer noch lustig und herzig finde, ist mir der Mann im Rollkragen ein Graus. Erstens: Warum muss ich mir nach Jahrzehnten der Emanzipation immer noch von einem Mann Haushalt-Tipps geben lassen, der selbst so aussieht, als hätte er nie auch nur einen Finger gerührt? Ihn mir vorzustellen beim Badezimmer putzen, Familie versorgen oder Einkaufsliste aufschreiben, ist mir schier unmöglich. Ok, vielleicht könnte er mal bei der Tomatensauce umrühren, aber das war’s auch schon. Obwohl – mit dem weißen Rolli an? Ich weiß, er ist wahrscheinlich eine Art Allegorie, die über allem Irdischen schwebt und uns im richtigen Moment eine Weisheit ins Ohr haucht – ob wir das für einen simplen Einkauf wirklich brauchen?
Da ist mir das Schwein schon lieber. Das fragt nämlich nur, und Fragen stellen ist immer klug. Schließlich weiß man ja, dass man nichts weiß – Sokrates und so. In Zeiten der Globalisierung umso mehr, schließlich wirkt generell alles abstrakt und nicht nachvollziehbar. Oder wissen Sie, was eine Bank mit dem Geld auf Ihrem Konto wirklich macht? Oder wo die Schollen für die Fischstäbchen gefangen, wo sie filetiert, paniert und vorgebacken werden? Würde mich nicht wundern, wenn der Fischhappen drei verschiedene Kontinente passiert hätte, bevor er auf meinem Teller landet.
Apropos Teller, da sind wir wieder beim lebenden Schweinekotelett und dem blassen Existentialisten-Gespenst: Mögen tut man Werbung ja sowieso praktisch nie. Es geht darum, was am wenigsten nervt. Und wahrscheinlich ist es der nette Bauer und geduldige Besitzer des Ferkels, der den Ausschlag über Sympathie oder Antipathie gibt. Er ist immer ruhig, hört zu, kaut an seiner Kornähre oder hackelt ein wenig am Feld. Eine echte Landliebe tut sich da auf.
Bevor nun kollektives Träumen von Ferien am Bauernhof eintritt, spitzt’s Eure Schweinsohren: Man kann das Fernsehkastl auch abschalten. Zumindest hab ich gehört, dass das geht.
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