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Crazy for you

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Ein Mann um die 50 betritt den Raum, er wirkt nervös, immer wieder fährt er sich mit den Fingern durchs nicht mehr vorhandene Haar. Sein Blick ist unruhig, verweilt nur für Sekunden auf den Personen im Raum. „Warum sind Sie hier?“ fragt eine junge Frau. Probleme mit der Leber habe er seit längerem, sein Hausarzt habe ihn hierhergeschickt. Hier, das ist die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses, zumindest stellen wir uns das vor.

Die Wirklichkeit ist nämlich ein Theatersaal im Wiener Palais Kabelwerk, wo derzeit das Stück „Psychiatrie!“ aufgeführt wird. Um den Herrn mit dem Leberproblem und die freundlich blickende junge Frau sitzen etwa 50 Zuschauer, die sich für einen Abend zum Abgrund des Wahnsinns begeben. Der Mann, starker Alkoholiker wie sich kurz darauf herausstellt, und die junge Frau sind professionelle Schauspieler, die psychisch Kranke darstellen - meistens im AKH Wien. Dort lernen seit Mitte der 90er Jahre MedizinstudentInnen beim „Explorationspraktikum: das psychiatrische Erstinterview“ durch Übungsgespräche mit Schauspielern, wie man am besten den Erstkontakt zu Kranken herstellt. Aus diesem Kurs entwickelte Hagnot Elischka ein dokumentarisches Theaterstück, das bewusst die Grenze zwischen Normalität und Wahn in Frage stellt. Neben dem Alkoholiker lernen wir an diesem Abend noch eine Dame mit Panikattacken, einen Schizophrenen mit religiösem Wahn, eine Frau mit dem Zwang zu putzen, eine Depressive und eine Frau, die gerade eine Selbstmordversuch hinter sich hat, kennen. Die Kranken werden abwechselnd von vier Schauspielern dargestellt, die sich zuvor intensiv mit dem jeweiligen Krankenbild auseinandergesetzt haben. Die Rollen basieren auf echten Personen, die sie kennenlernten und so lange studierten, bis sie zu Klonen der psychisch Kranken heranreiften. Sie reagieren wie sie, sie fühlen und verhalten sich wie sie. Nichts ist einstudiert, alles ist möglich. Nach zehn Minuten wird das Therapiegespräch abgebrochen und gemeinsam mit dem Publikum durchgesprochen, so wie es im Uni-Kurs mit den StudentInnen gemacht wird. Wie hat der Kranke reagiert, hatte er Vertrauen, was könnte man besser machen?

Der Balanceakt zwischen Normalität und Wahnsinn wird bewusst, das Lehrstück entpuppt sich als solches im wahrsten Sinn des Wortes.

PS.: Das Stück ist übrigens für den Nestroy-Preis nominiert, die Chancen stehen also gut, dass es wieder mal gespielt wird.

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Kommentare

  • Wer ist das Kinderschokoladen-Kind?
    Es verfolgt uns in den Gängen des Supermarkts mit seinem penetranten Lächeln. Das Strahlen seiner blütenweißen Zähne blendet uns vor dem Schokoladenregal...
  • Bevor wir das Zeitliche segnen
    Alfred Korzybski war Pole, Amerikaner, Adeliger, Ingenieur und Linguist. Das war vor einiger Zeit, doch genau in dieser hat er auf ewig seinen Fußabdruck hinterlassen.
  • Wahrscheinlich Ponyhof
    Über energetisch geforderte Orchideen und die musikalische Spannkraft von Russischer Zeder.

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