Zwei Männer und eine Frau
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Jeden Tag sitzen sie auf der Bank bei der Bushaltestelle. Zwei Männer und eine Frau. Zwischen ihnen drei Bierdosen. Immer dieselbe Marke, immer dieselbe Menge. Die Dame immer in der Mitte.
Selbst wenn das Wetter nicht mitspielt und der Himmel kurz vor dem Erbrechen zu sein scheint, sehe ich sie, wie sie lächelnd auf die stark befahrene Straße blicken. Gesprochen wird nicht viel, wozu auch.
Die Frau mag ich. Wirklich.
Als ich in trüberen Zeiten widerwillig meinen Wochenendeinkauf erledigte und meine Ungeduld an der Kasse schon nicht mehr zu übersehen war, lächelte sie mich an.
„Diese Bluse ist wunderschön´, sprach sie mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht.
Sie erinnert mich an einen Troll. Das mag auch an ihrer Größe von geschätzten 1,50m liegen. Und dann sind da noch die grauen Haare und die spitze Nase.
„Klar", sie holte kurz Luft und lächelte eine Spur breiter, „schöne Menschen haben schönes Gwand." Für die Art, wie sie den Kopf schief legte und mich bewundernd musterte, hätte ich sie umarmen können.
Sie hatte mir damals den Tag gerettet. Ungeduld und schlechte Laune waren wie weggezaubert. Seitdem grüße ich sie. Nicht immer will sie das. „Du bist an meinem Unglück schuld´, bekam ich vor zwei Tagen ins Gesicht geschleudert.
Egal, ich bleibe freundlich. Ich mag diese kindliche Freude in ihren Augen, dieses Strahlen.
Die zwei Herren reden gar nicht mit mir. Ich will auch nicht mit jedem reden, also ist das in Ordnung.
Manchmal leistet ihnen ein dritter Mann Gesellschaft, in perfektem Biker-Outfit: Helm, Dress,Schuhe und Handschuhe. Einzig das Fahrrad fehlt.
Sie alle sind Bewohner in einer Wohngemeinschaft für geistig beeinträchtigte Menschen. Und doch sind sie so normal wie wir alle oder zumindest nicht verrückter als ich.
Seit drei Wochen schmiere ich mir stinkende Feuchtigkeitscreme mit Bräunungseffekt ins Gesicht, damit meine Sommerbräune erhalten bleibt. Ich trage nur Markenklamotten, weil ich mir einbilde, dass diese besser sind. Ich bin abergläubisch bis zum Umfallen und würde nie einem geliebten Menschen am Vorabend seines Geburtstages gratulieren oder einen Geburtstag vorfeiern. Ich rede mit mir selbst, wenn auch nur in meinen eigenen vier Wänden. Nie würde ich zwei verschieden farbige Socken anziehen. Warum? Ganz einfach, im Falle eines Unfalles wäre mir das schrecklich peinlich.
Wenn ich in Pension bin, werde ich mal anfragen, ob es für mich auf dieser Bank auch einen Platz gibt, habe ich eben beschlossen.
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