Märchenhaftes im Wald
zurück zur ÜbersichtEs war einmal an einem Morgen im Wald. Viele große Tannenbäume mit grünen Wiesen, etlichen Sträuchern und mit viel Laub und Tannenzapfen auf dem Waldboden. Dieser Wald ist ein Zuhause für viele Tiere. Ein Spatz sitzt auf der obersten Spitze des Baumes und trällert sein Morgenlied. Ein Maulwurf wirft einen Hügel auf, um sofort wieder in seinem Gang unter der Erde zu verschwinden. Die Bienen strecken sich und dehnen ihre Flügel in der Morgensonne. Die Sonne schimmert durch die Wipfel der Bäume und glitzert auf den mit Regentropfen verzierten Spinnennetzen.
Diese spannen sich von Baum zu Baum, von Gebüsch zu Gebüsch. Fleißige Spinnen weben den ganzen Tag, um für den Mittagstisch ihrer Familie vorbeikommende Fliegen und Mücken zu fangen.
Die Mamaspinne Spinora hat fast die ganze Nacht gearbeitet, um auf einer kleinen Wiese zwischen einem Gebüsch und einem Baum ein ganz besonders großes Spinnennetz zu spannen. Als ihr die Sonne ins Gesicht scheint, lächelt sie zufrieden. Der Spatz beobachtet interessiert die Spinne und als sich diese in ihre Wohnung im Strauch zurückzieht, kuschelt er sich in das Nest zu seinen Spatzenkindern. Die Kinder der Spinne schlafen noch alle im Kokon. Müde legt sich auch Spinora endlich nieder.
Plötzlich wird Spinora geweckt. Das Bett im Strauch wackelt gefährlich. Ein lautes Geräusch, das sie nicht kennt, dröhnt ihr in den Ohren. Alle Vögel des Waldes schnattern durcheinander. Vor allem der Spatz wettert und schreit. Vorsichtig und flink bewegt sich Spinora ins Freie. Erschreckt krabbelt sie zurück. Menschen! Überall Menschen! Mit Geräten in den Händen, die diesen Lärm machen. Damit bringen sie die Bäume dazu – Spinora kann es nicht glauben – schnell und ohne Widerstand einfach umzufallen.
Da fällt ihr ein: Mein Netz – mein schönes großes Netz!! Sie läuft hinaus, direkt in ihr Netz hinein. Viele Mücken haben sich bereits gefangen. Schnell will sie alle einsammeln und saust flink, trotz der Gefahr, kreuz und quer über ihr Spinnengewebe. Plötzlich ein Wind, ein Krach, ein Beben. Was ist passiert? Verzweifelt hält sich Spinora fest. Der Busch, in dem ihre Eier liegen! – Nein! Ein riesengroßer Baumstamm ist genau auf den Strauch gefallen, mitten hinein. Blätter, die durch die Luft wirbeln, decken Spinora zu. Der Spatz flattert verzweifelt über dem Kopf von Spinora und kann es nicht fassen, dass der Baum samt dem Nest mit seinen Spatzenkindern umgefallen ist. Das Netz von Spinora ist überall zerrissen und Spinora würde hinunterfallen, wenn sie sich nicht ganz schnell mit einem Spinnfaden abseilen würde. Gelungen! So ein Glück. Jetzt nur schnell verstecken, unter einen Stein oder doch besser auf den Baum hinauf? Spinora saust hin und her. Da – ein Schatten – schnell weicht sie aus und der Fuß eines Menschen tritt neben ihr auf dem Waldboden auf. Spinora läuft zum Maulwurfshügel, stellt sich darauf und ruft um Hilfe. Der Spatz antwortet verzweifelt: „Warum schreist Du um Hilfe – schau doch einmal – meine Kinder – oh nein. Wer hilft mir?“ Spinora ist eine kluge Spinne. Sie überlegt, was jetzt am besten zu tun sei. Ihre Eier - wurden sie vom Baumstamm, der auf sie gefallen ist, zerdrückt? Spinora weiß es nicht. Wie soll sie das aber herausbekommen? Und wie könnte man die Spatzenkinder retten? Inzwischen hat ein Mensch den Baumstamm vom Strauch weggeschoben. Spinora schreit aus vollen Leibeskräften in den Gang des Maulwurfes hinein: „Maulwurf, komm und hilf uns, schnell, schnell!“ Der Spatz ist total aus dem Häuschen und fliegt doch tatsächlich dem Menschen ins Gesicht, um zu verhindern, dass er die Spatzenkinder sieht. Mit einer Handbewegung wird der Spatz durch die Luft gewirbelt und ein paar Federn schweben zu Boden. In diesem Moment kommt der Maulwurf aus seinem Bau und meint verschlafen: „Was ist denn da los?“ Spinora redet so schnell auf ihn ein, dass er sofort munter ist. „Du musst die Spatzenkinder in Deinen Bau hineinholen, schnell. Komm beeil Dich!“
Der Maulwurf sieht einen Menschen und beginnt sich einzugraben. Die Spinne erwischt gerade noch seine Wange und beißt zu! „Nein, komm, wir müssen zusammenhalten – hol´ die Spatzenkinder und…“ ihr Herz bleibt fast stehen - der Kokon ihrer Kinder liegt neben dem heruntergefallenen Nest – „meine Kinder nimmst Du gleich mit, beeil´ Dich!“ Der Maulwurf wagt nicht zu widersprechen und, obwohl er ja am Tag schlecht sieht, steuert die piepsenden Spatzenkinder an. Er schleppt sie in unwahrscheinlicher Geschwindigkeit in seinen Bau.
Nun muss er auch noch die Spinnenkinder holen. Ein Mensch ruft: „Schaut mal, ein Maulwurf, was macht denn der da?“. Es kommen viele Menschen nun auf Spinora und den Maulwurf zu. Spinora sitzt noch immer auf dem Rücken des Maulwurfes und treibt ihn an, noch schneller zu laufen. Im wirklich allerletzten Moment schnappt er sich den Kokon, dreht um, weicht großen Menschenschuhen aus, springt über eine Hand drüber, die ihn greifen will und läuft im Zick-Zack zu seinem Bau. Spinora hält sich krampfhaft fest. Da greift eine Menschenhand nach dem hinteren Bein des Maulwurfes. Spinora saust zurück und beißt zu – so fest sie kann! Sofort lässt der Mensch den Maulwurf los und der Maulwurf verschwindet in den dunklen Gängen seines Baues. Vorher flüstert er Spinora noch schnell zu: „Wir sehen uns drüben an der Lichtung – ich bring alle mit“ und weg ist er. Spinora kann sich gleich im Laub in einem Tannenzapfen verstecken und kichert erleichtert vor sich hin. Ein Schatten legt sich über den Zapfen – ein Menschenfuß! Spinora hält die Luft an. In diesem Moment stürzt der Spatz herunter, schnappt sich den kleinen Tannenzapfen mit Spinora und fliegt zur Überraschung der Menschen damit davon. Während die Menschen den Maulwurfshügel nun mit den Füßen zerstören und glauben, sie könnten den Maulwurf noch finden, ist dieser schon längst unterirdisch mit den Kindern unterwegs zum Ausgang an der Lichtung. Überglücklich fallen sich an der Lichtung alle um den Hals. Zwischen Spinora, dem Maulwurf und dem Spatz entsteht ab diesem Tag eine tiefe Freundschaft und jeder hilft dem Anderen, wann immer er kann.
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