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Etymologie der Würste

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Der Wiener Würstelstand ist ein Sammelbecken für verschiedene Arten von Fleisch in Därme gezwängt und für verschiedene Arten von Menschen in ihre jeweiligen Außenhäute, sprich Kleidung, gezwängt. Er ist eine Grauzone in der sich Schweinefleisch durchaus mal mit Rindfleisch vermischt, ebenso wie der Herr Minister mit dem Sandler. Gleichzeitig ist es ein Bereich in dem sich das Ohr schnell in das Gespräch des Nachbarn verirren kann, oder der Spritzer aus der Käsekrainer auf seinen Mantel. Aufgekommen ist die Idee, einen solchen Ort zu schaffen während der k.u.k Monarchie, aus der Not heraus, für all die Kriegsinvaliden eine Einkommensmöglichkeit zu finden. Und wenn sich auch die Herkünfte, Inhalte und Geschmäcker aller Standl-Gäste nicht so einfach eruieren lassen, die der Würstl lassen sich sehr wohl herausfinden – größtenteils zumindest.

Das allseits bekannte Burenheidl, welches aus dem Munde des Fachmanns einfach Haße genannt und vom Hochsprache-Fanatiker auch als Burenwurst bezeichnet wird, fand seine Aufnahme ins österreichische Würstelrepertoire im 19. Jahrhundert. Sprachwissenschaftler konnten sich noch nicht so ganz auf den etymologischen Weg jener Masse einigen, die zu 55% aus Brät, zu 25% aus Speck und zu 20% aus Salzstoß besteht. Eine besonders reißerische Theorie führt den Ursprung des Namens auf die Buren in Südafrika zurück, da das besagte Würstl zur Zeit des Burenkrieges hierzulande bekannt und beliebt wurde. Die Debreziner hingegen lassen über den Grund ihrer Bezeichnung keine Zweifel offen. Sie tragen den Namen der ost-ungarischen Stadt Debrecen, obwohl sie eigentlich gar nicht von dort kommen. Man könnte also durchaus sagen, dass sich diese leicht geräucherte und mit Paprika gewürzte Rind- und Schweinefleischwurst aus purem Jux und Tollerei so nennt. Es sei ihr vergönnt.

Um der Käsekrainer auf die Spur zu kommen, muss man ebenfalls die Landesgrenzen überqueren, diesmal hingegen Richtung Süden. Spitzfindige werden schon das –krainer dieser wilden Schwein-Rind-Speck-Käse Kombination mit der slowenischen Region Krain in Verbindung gebracht haben und sollen hier in ihrem Glauben nur mehr bestätigt werden. Das letzte Element der langen Zutatenkette, und das kann man ruhig laut sagen, wurde aber in den 80er Jahren von den Österreichern hinzugefügt, was den Wiener wahrscheinlich auch dazu veranlasst, voll Inbrunst eine Eitrige zu bestellen. Wer denkt das wäre grauslich, der führe sich bitte zuerst die Vollendigung des Satzes zu Gemüte, die da wäre mit am Buckl und am Kinderschaß (dudentauglich ausgedrückt mit einem Scherzel bzw. Kanten und Senf). Beste Kur gegen eitrige Akne ist selbstverständlich ein 16er Blech, was wiederum eine Dose des im 16. Bezirk ansässigen Ottakringer Biers bezeichnet.

Die ärgste Komplikation überhaupt ergibt sich aber durch die Frankfurter-Wiener Würstchen Affäre. Seit dem Jahre 1860 wurde „Frankfurter Würstchen“ als geographische Herkunftsbezeichnung geschützt und nur für Erzeugnisse aus dem Raume Frankfurt verwendet. Ein Frankfurter Metzger jedoch entfloh seiner Heimatstadt und installierte sich in Wien, wo er eine ähnliche Wurst herstellte und diese doch tatsächlich unter dem Namen „Frankfurter“ verkaufte. Diese Variante brach zu einer Erfolgstournee rund um den Globus auf, mit ihr selbstverständlich auch der Name. Nur in Deutschland und der Schweiz war die Bezeichnung ja schon mit der original Frankfurter Variante besetzt. Was tat man also? Ganz einfach, die Wiener Version des Frankfurter Würstls wurde Wiener Würstchen getauft, während man sie auf dem verbleibenden Teil der Erdkugel Frankfurter hieß.

Wie alles muss auch dieser Würstl-Monolog einmal EIN Ende nehmen, denn ZWEI hat eben nur die Wurst.

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Kommentare

Eleutheria Hunger!
23|03|2010, 10:48

kino_phil Hallo Wienerin, kennst du eigentlich Bosnas? Ein Traum für alle Wurstfans!!! Leider gibts die Königin der Würste nur in Oberösterreich zu erstehen. Ein Besuch in Stahlstadt-City zahlt sich also durchaus aus, alleine schon wegen der B-O-S-N-A! Wohl bekomms!
18|03|2010, 11:22

  • Sicher Sacher?
    Die Karriere von Österreichs berühmtester Mehlspeise macht nicht einmal vor des Richters Toren halt...
  • Etymologie der Würste
    Der Wiener Würstelstand - ein Sammelbecken für kuriose Gäste und noch viel kuriosere Fleischkombinationen!
  • Wiener Typen
    Das Problem für jeden Wiener: man kann es in Wien nicht aushalten, aber woanders auch nicht.
  • Who is the Best?
    Seit wann gibt es die Zahnbürste und was hat Dr. Best überhaupt mit ihr zu tun?
  • Mein Nachbar, der Bauwüterich
    Er plackt und rackert gegen Feuchtigkeit, Fels und andere Widrigkeiten wie ein hellenistischer Tragöde. Im August wollte er einziehen.
  • Samurai und Futbolist
    Genug über Nachbarn gelästert. Ein jeder decke sein eigenes Dach, besann ich mich, also schnell jemand Geeigneten herbei! Somit vertraute ich mich der Treffsicherheit der Spirale an.

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