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Wer ist das Kinderschokoladen-Kind?

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Es verfolgt uns in den Gängen des Supermarkts mit seinem penetranten Lächeln. Das Strahlen seiner blütenweißen Zähne blendet uns vor dem Schokoladenregal. Seine Haare machen uns bewusst, was wir beim nächsten Frisörbesuch nicht wollen. Wer ist es, dieses Kind, welches uns seit Adam und Eva von der Kinder-Schokoladen-Packung so widerlich-lieblich entgegenblickt? Das süßliche Grauen hat einen Namen: es hört auf Günter Euringer.

Anfang der 70er hätte sich der damals 11-jährige Günter wohl nicht träumen lassen, dass er die Ikone einer ganzen Generation werden würde. Zwar nicht so bedeutend wie Uschi Obermaier für die 68er, aber immerhin. Wäre seine Mutter nicht Angestellte einer Werbeagentur gewesen und hätte sie ihr bildhübsches Kind nicht auf eine Feier mitgenommen, sodass es ein Fotograf ganz verzückt entdecken konnte, so wäre die rechte Seite der Kinder-Schokoladen-Packung heute ziemlich uninteressant. Nach einigen ersten Aufnahmen für diverse Kataloge konnte der kleine Günter das Ferrero-Casting für sich entscheiden und sein Schicksal als Schokoladegott besiegeln. Dass er eigentlich an einer Allergie gegen das Produkt, das er bewarb, litt, tat nichts zur Sache. Eine weitere Information am Rande: wer hätte wohl gedacht, dass sich das biedere Kinder-Schokoladen-Kind als Teenager die langen Wimpern abschnitt, um wilder auszusehen?

Beim ersten Fotoshooting, welches Günter noch mit langer Mähne zeigt, erhielt er 200 DM. Das zweite Fotoshooting brachte einen kecken Günter mit Kurzhaarschnitt hervor und weitere 100 DM in seine Tasche. Bei der dritten Modernisierung wurden ihm am Computer die Haare geschnitten und Ohren (noch unbekannter Herkunft!) hinzugefügt, Günter selbst ging leer aus. Was wurde dann aus ihm? Konnte er sich ohne das schokoladig erwirtschaftete Geld überhaupt über Wasser halten? Ja, er konnte. Denn heute ist der Weißzähnige von früher Kameramann in München, gut versorgt mit einer Frau und zwei Söhnen. Und wie es die heutige Zeit von Personen seines Berühmtheitsgrades verlangt, ging auch Günter unter die Autoren. „Das Kind der Schokolade“ ist 2005 beim Giger Verlag erschienen und kann umgerechnet für den Preis von sieben Packungen Kinder-Schokolade erworben werden. Wen Günters Gesicht im Supermarkt noch nicht genügend malträtiert hat, der ziehe los und besorge sich dieses Nobelpreis verdächtige Werk. Für alle anderen bleibt es wohl einfach viel Milch und wenig Kakao!

Nachruf: Begleitet von einem empörten Aufschrei der Günter-Anhängerschaft wagte es der Ferrero-Konzern 2005 das altbewährte Gesicht gegen ein Moderneres auszutauschen. Trotz feuriger Proteste konnte der kleine Günter bis zum heutigen Tage noch nicht auf seine Verpackung zurückkehren.

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Kommentare

Angiej Da kann man nur zum Protest aufrufen, denn "WIR WOLLEN GÜNTER"! Gern und grinsend gelesen! LG
31|03|2011, 20:59

Katalin Originelle Idee, deine Geschichte! Liebe Grüße
24|03|2011, 10:34

  • Who is the Best?
    Seit wann gibt es die Zahnbürste und was hat Dr. Best überhaupt mit ihr zu tun?
  • Wer ist das Kinderschokoladen-Kind?
    Es verfolgt uns in den Gängen des Supermarkts mit seinem penetranten Lächeln. Das Strahlen seiner blütenweißen Zähne blendet uns vor dem Schokoladenregal...
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