Einer kommt selten alleine
zurück zur ÜbersichtEr lässt sich einfach nicht umbringen. Unerschrocken wandert er von Garten zu Garten, und wenn er einmal alleine da steht, so dauert es nicht lange, bis seine kleinen Freunde die Spur aufgenommen haben und sich früher oder später zu ihm gesellen. Sie sitzen, stehen, liegen, kopulieren. Und sind dabei stets von einer neunmalgescheiten, allwissenden Aura umgeben.
Ich sag nur: Gebrüder Grimm, Rumpelstilzchen. Schon im Altertum war es anscheinend so, dass sich Herrscher zur Unterhaltung und Zerstreuung gerne mit kleinwüchsigen Menschen umgaben, ja, in der Renaissance erhielt man unter 1,40 Körpergröße sogar eine Fixanstellung am Fürstenhof. Jakob Ries zum Beispiel war der Promi unter den „Hofzwergen“ und erlangte unter Kaiser Karl IV traurige Berühmtheit. Weil sich aber nicht jeder damals einen fix angestellten Hofzwerg (!) leisten konnte, begannen das gemeine Fußvolk irgendwann einmal, sich Skulpturen von kleinen Menschen in den Garten zu stellen. Ja, es brach eine regelrechte Zwergenmanie aus, Relikte dieser Anfangszeit können noch im Schloss Mirabell besichtigt werden, dort tummeln sich die ältesten erhaltenen barocken Gartenzwerge aus dem Jahr 1690.
Als dann 1872 im thüringschen Gräfenroda die erste Serienproduktion von Gartenzwergen gestartet wurde, war das quasi der Startschuss für den globalen Siegeszug der kleinen Wichte. Und es kam noch schlimmer. 1981 wurde die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge gegründet, deren Anliegen die Verbreitung der „Zwergenkunde“ (Nanologie) sowie die Produktion historisch korrekter Gartenwichtel ist. Sie definiert sogar, was ein „artiger“, also echter, Gartenzwerg ist: Er ist max. 69 Zentimeter groß, hat eine Zipfelmütze, trägt Bart und ist männlich. Abartig! Es ist ja schon schlimm genug, dass viele Gartenzwergbesitzer ganz offensichtlich die eine oder andere Allmachtfantasie (siehe Herrscher und ihre Hofzwerge) ausüben. Kann der Garten nicht einfach seine Ruhe haben? Sapperlott!
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