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WIR NEHMEN PROJEKTE IN ANGRIFF. WIR MÜSSEN UNSERE AUFGABEN BEWÄLTIGEN. WIR KÄMPFEN FÜR UNSERE RECHTE, DAMIT WIR BEKOMMEN, WAS UNS ZUSTEHT. WIR HABEN NICHTS ZU VERSCHENKEN. DAS LEBEN IST HART, DA DRAUSSEN HERRSCHT KRIEG.

Sprache scheint uns selbstverständlich. Aber ist sie das wirklich? Verstehen wir sie tatsächlich von selbst? „Die Sprache ist das Haus des Seins“, sagt Martin Heidegger. Sie ist geradlinig oder verwinkelt, von Licht durchflutet oder dunkel, opulent, puristisch, ordentlich, chaotisch, rein, schmutzig, Kraft spendend, ermüdend, Oase des Friedens oder Kriegsschauplatz. Gesundheit und Krankheit, Glück und Leid – was immer wir erleben, wird in unserer Sprache gespeichert, über Generationen hinweg. Sie ist unsere Visitenkarte, präzise und unverwechselbar wie ein Fingerabdruck, ein Abbild unserer Seele. Je genauer wir hinhören, um so mehr können wir erkennen und verstehen.

Doch gehen wir einen Schritt weiter. Was, wenn es genau umgekehrt ist? Formt nicht das Haus den Menschen, der darin wohnt? „Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens“, schreibt Karl Kraus. Mit anderen Worten: Sprache formt unser Denken und damit den Menschen ebenso wie die Welt, in der er lebt. Am Anfang war das Wort, heißt es dazu schon in der Bibel, und die moderne Wissenschaft liefert mittlerweile zahlreiche Beweise. Am Amazonas etwa lebt, von der Außenwelt abgeschnitten, der brasilianische Volksstamm der Piraha. Die Menschen dort kennen nur die Zahlwörter eins, zwei und viele. Verhaltensforscher der New Yorker Columbia-Universität führten einen einfachen Test durch. Sie zeigten Angehörigen dieses Stammes eine gewisse Anzahl von Gegenständen und bat sie, ebenso viele Gegenstände vor sich hinzulegen. Das gelang den Probanden nur bis zu drei Objekten. Darüber hinaus konnten sie die richtige Anzahl nicht mehr korrekt rekonstruieren, auch wenn sie die Finger zum Zählen benutzten. Fazit: „Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt.“ Ludwig Wittgenstein hat Recht.

Wenn das so ist, und Sprache nicht nur zeigt, wer wir sind, sondern uns und unser Denken, unsere Persönlichkeit maßgeblich beeinflusst, können wir sie als Werkzeug begreifen: Sprache hat die Macht, unser Leben zu verändern. Wir sollten unsere Worte daher bewusst wählen, sorgfältig mit ihnen umgehen und unsere Sprache pflegen. Jedes Wort kommt, einmal ausgesprochen, zu uns zurück. Oder um mit dem Talmud zu sprechen: Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

VIELLEICHT WERDEN WIR UNS IN ZUKUNFT AN UNSERE PROJEKTE MACHEN, OHNE SIE IN ANGRIFF ZU NEHMEN. WIR WERDEN UNSERE AUFGABEN LÖSEN, FREIWILLIG UND OHNE UNS DAZU ZWINGEN ZU MÜSSEN. WIR SETZEN UNS FÜR UNSERE RECHT EIN, STATT IN DEN KAMPF FÜR SIE ZU GEHEN. WIR WERDEN BEKOMMEN, WAS UNS ZUSTEHT, AUCH OHNE KRIEG. DENN SCHLIESSLICH WARTET AUF JEDEN VON UNS EIN GESCHENK: FRIEDE IN UNSEREN WORTEN. DAS LEBEN IST SCHÖN.

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Kommentare

  • Ein Sandkorn
    Man nehme eine Hand voll Sand am Strand, betrachte ihn und jetzt ein einzelnes Sandkorn.
  • Faceblock
    Anfangs war ich ein Fan. Dann fanden mich Freunde. Dann wurde ich Freund. Bis mir widerfuhr die Willkür der Betreiber. Schade darum. Vieles ging verloren im Netz. Nun bin ich hier.
  • Ein einsamer Dialog ohne Antworten
    Mit wem soll man reden an Tagen an denen niemand zuhört? Am besten mit jemandem der nur schweigen kann. Ich erzähle dem Jemand einfach mal alles.

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